X. Der Jackson Missbrauch 1993. Allerletzter Anwalt Feldman: „We’ve fucked ’em, Evan!“

We‘ve fucked ‘em, Evan!“ ist über Anwalt Larry Feldman zu lesen, der 1993 einen Zivilprozess über 30 Millionen Dollar auf amerikanische Art erfolgreich in den Medien und im Gericht der öffentlichen Meinung gegen Michael Jackson geführt hatte. „Kindesmissbrauch“ hatten Anwalt Feldman und sein Mandant Evan Chandler 1993 in der Klatschpresse ausrufen lassen.
Drehbuchschreiber Evan Chandler hatte auf eine Hollywood-Karriere mithilfe des King of Pop gehofft, von Jackson Millionen teure Drehbücher gefordert und mit einem „Massaker“ gedroht, sollte er nicht bekommen, was er wollte. Anwalt Feldman kam 1993 Chandler beim Massaker zur Hilfe.

 

Anwalt Larry Feldman. Mikrofone. Presseleute
Anwalt Larry Feldman und die Presse. („Tabloid Truth“ Bildquelle hier auf YouTube)

 

Feldman gewann 1993 Evan Chandlers Zivilprozess planmäßig in den Medien und im Gerichtssaal der öffentlichen Meinung:

„Es ist vorbei, Evan. Es ist ein gemachter fucking Deal!“ 1

Anwalt Feldman beschrieb als „gemachter fucking Deal“ was Kindesmissbrauch gewesen sein soll.
Feldmans Tabloid-Plan war aufgegangen, von dem er noch 2010 schwärmte. 2

 

Anwalt Feldman: “Ich hatte totale Kontrolle, wie es sich abspielen sollte“

Im Gericht der öffentlichen Meinung

Feldman ist 1993 kein Anwalt fürs Strafgericht. Feldman braucht der, wer Dollars will und die bekommt man als Kläger im Zivilgericht. 1993 übertrug Evan Chandler, der „Jackson: Kindesmissbrauch“ behaupten ließ, dem Anwalt Larry R. Feldman jenes Mandat, für das der seine Anwaltsgebühren nach einem Wert in Höhe von 15 Millionen Dollar abrechnen konnte.

Feldman wirbt mit dem Titel „Super-Anwalt“ auf seiner Webseite. Chandlers vorheriger Anwalt Rothman nannte sich bis 2018 auch „Super-Anwalt“, ebenso alle Anwälte, die in der Jackson Sache noch folgen und ihre Prozesse in den Medien gewinnen. Chandlers Anwalt Feldman legte ebenso wie Chandlers erster Anwalt Rothman seinen „Schwerpunkt auf hohe Einsätze im Entertainment“. Nicht unbedingt die passenden Anwälte also, die ein Vater konsultiert, der tatsächlich glaubt, sein Kind sei sexuell missbraucht worden. Und noch 2017 macht Feldman Werbung auf seiner Webseite mit der (nie gerichtlich festgestellten) reinen „Beschuldigung“ des Michael Jackson:

„seine vielfältige Erfahrung ist am besten durch die Tatsache veranschaulicht, dass er einen 13-jährigen Jungen repräsentierte, der Michael Jackson wegen Kindesmissbrauchs beschuldigte …“.  3 

Feldmans und Chandlers Millionen Dollar Zivilklage ist KEIN Strafverfahren

1993 begann Feldman gleich nach dem Auftrag Evan Chandlers:

„raffinierte, hinter den Kulissen ausgeklügelte Verhandlungen Richtung eines schnellen, stillen und höchst profitablen Vergleichs zu dirigieren.“ 4

Wir müssen uns bei dieser Wortwahl daran erinnern, dass es hier wohl um den Missbrauch eines kleinen Jungen gehen soll. Oder?

 

Über „raffinierte“ und „ausgeklügelte Verhandlungen“ des Anwalts Feldman für einen „höchst profitablen Vergleich“ prügeln sich erst mal Evan Chandler und Dave Schwartz im Sommer 1993 im Büro des Super-Anwalts. Dave Schwartz, baldiger Ex-Ehemann der June Chandler und hoch verschuldet, wollte seinen Anteil am „höchst profitablen Vergleich“. Schwartz wollte seinen „Anteil“ an den Dollars, die alle Beteiligten von Jackson erwarteten. Schwartz hatte ganze eigene Vorstellungen, wie viel Geld am Ende besonders für ihn  herausspringen sollte. Schwartz Vorstellungen wurden enttäuscht. Am Ende war Ehefrau June weg, Jackson war auch weg und alles, was Schwartz blieb, waren Schulden und Evans Prügel.

1993.08. – Feldmans Aktenvermerk zu Evan Chandlers angestrebter eigener Schadenersatzklage Quelle: vindicatemj.wordpress.com

 

Am 14. September 1993 erhob Anwalt Feldman im Namen von Evan und dessen dreizehnjährigen Sohn Jordan Chandler eine auf Geld ausgerichtete Schadenersatzklage vor einem amerikanischen Zivilgericht (nicht Strafgericht) gegen Michael Jackson und behauptete sexuelle Übergriffe, Verführung, mutwillig unsittliches Verhalten, seelisches Leid, Betrug und Fahrlässigkeit. Im Namen Evan Chandlers verlangte Feldman von Michael Jackson in dieser Zivilklage Schadenersatz für diese Behauptungen in Höhe von $30 Millionen.

 

Wir müssen uns immer noch daran erinnern, dass es hier angeblich um ein Verbrechen gehen soll, das einem dreizehnjährigen Kind angetan worden sein soll. Wenn dem so wäre, wo bleibt dann das Interesses der Beteiligten, einen angeblichen Verbrecher vor ein ordentliches Strafgericht zu bringen?

 

Feldmans Umfrage-Problem: die Sympathie der Öffentlichkeit war auf Jacksons Seite

Im amerikanischen Zivilverfahren sitzt eine 12-köpfige Jury. Deren Mitglieder sind juristische Laien aus dem Volk, die vor einem Prozess ausgewählt werden. Wie jeder Bürger werden sie vor dem Prozess mit Schlagzeilen gefüttert und von Klatschreportern informiert. Eine amerikanische Jury wird also vor Urteilsfindung durch die Medien beeinflusst. Amerikanische Zivilprozesse gegen Prominente werden deshalb bevorzugt in den Medien ausgetragen.

 

1993 hatte Feldman mit seiner Millionenforderung im Zivilprozess gegen Jackson ein großes Problem: 66 % der amerikanischen Öffentlichkeit hielt Jackson für unschuldig. Nur wenige 12 % trauten Jackson Chandlers Vorwürfe zu, und aus dieser Öffentlichkeit kam die Jury, die über Feldmans Klage entscheiden sollte. Feldmans Aussichten, den Prozess zu gewinnen, standen also schlecht

„Für einen Prozessanwalt sind das richtige Probleme, mit denen du umgehen musst […] egal was die Juroren sagen, diese Juroren haben darüber gelesen, sie werden damit überflutet. Wir hatten unseren Fall zu führen, während all das in der Presse war. Das ist ein wichtiger Faktor, den ein Anwalt bedenken muss … wir mussten herausfinden, wie wir damit umgehen. Letztendlich kamen wir zu dem Schluss, dass wir den Fall auf eine Art extrem hart zu prozessieren hatten […].“

Feldmann, 2010, im kämpferischen Rückblick. 5 Feldman also prozessierte 1993 „extrem hart“.

 

Feldmans Strategie: „Sensationelle … sexuell grafische“ Anschuldigungen für die Medien produzieren

Stratege Feldman produzierte also nach Einreichung seiner Zivilklage bei Gericht Schriftsätze mit Anschuldigungen, „unglaubliche“, „sensationelle“, „sexuell grafische“ Anschuldigungen, und jede einzelne war öffentlich für’s Volk. Die Presse verarbeitete Feldmans Schriftsätze zur Schlagzeile und liebte das ebenso wie ihre Leser. 6  Jacksons Anwälte hielten schriftlich dagegen, aber wen interessiert ein zu erwartendes Dementi?


Hörensagen, Vermutungen, Gerüchte? Wahrheit oder Lügengespinst? Unerheblich. Dem öffentlichen Mob wurde zum Fraß vorgeworfen, um Meinungen bis heute zu manipulieren.

Dazu der kühne Anwalt Larry Feldman 1993 über Konkurrenten und Anwaltskollegen Bert Fields, der Jacksons Seite vertrat:

„Und wir knüpfen Mr. Fields gleich mit auf. […] Damit die Welt diesen kleinen Widerling sehen wird […] Um die Öffentlichkeit zu beeinflussen. Die öffentliche Wahrnehmung […] ist wichtig […]. Letztendlich, um Jackson zu zwingen, diesen Trottel aufzugeben. Wir müssen zeigen, dass er das nicht überleben kann […].“ 7 

Anwalt Feldman und der bezahlte Dienstbotenklatsch im Gossip – TV

1993 musste Feldman, um sein Zivilverfahren vor der Jury zu gewinnen, also die öffentliche Meinung beeinflussen. Strategisch gut platziert -(wir erinnern uns: „Die Bühne war jetzt errichtet und die Darsteller auf ihren Plätzen.“)- tauchten zur selben Zeit in jenen TV-Shows, die auf Kosten von Prominenten ihr Geld verdienen, Ex-Zimmermädchen und Ex-Wächter mit gruseligem Dienstbotenklatsch aus Neverland auf. Gegen Bezahlung in bis zu fünfstelliger Höhe versteht sich. Gossip-Queen Diane Dimond spielte eine führende Rolle im Klatsch- und Tratsch aus dem Leben Prominenter. Dimonds Geschichten über Jackson haben im Laufe der Jahrzehnte als eine Art Altweibergeschwätz so traurige Berühmtheit erlangt, dass es schon fast an Komik grenzt. 1993 aber beschrieb Anwalt Feldman seinem Mandanten Evan Chandler die Tabloid-Reporterin:  8 

„Diane Dimond, die tatsächlich deine nächste Verbündete ist!“

Quellen

  1. Chandler, Raymond, ALL THAT GLITTERS – The Crime and the Cover Up,  2004.08.02., Chanadon Publications Limited; Edited by Gail M. Kearns, GMK Editorial & Writing Services, Santa Barbara, California, Seite 248
  2. Feldman, Larry, Transcript of “Frozen in Time: A Riveting Behind-the-Scenes View of the Michael Jackson Cases”, Part 2. LARRY FELDMAN, David Edwards/Niederschrift. 2010.09.15., 2017.03.05., Vindicate Michael  Feldmans Bedauern darüber, dass er im zweiten Falls – 2005 – nicht dieselben Entscheidungen treffen konnte, wie im ersten Fall 1993: “And so there were totally different things going on, with that kind of decisions that I made in the first case, I wasn’t making in the second case. The district attorney was. How this case would play out was the district’s attorney’s choice in the second case, while in the first case I had total control of how it would play out. … In the second case, it was the reverse. The district attorney in Santa Barbara, who ultimately got the case, insisted that the criminal case take place first, and that there be no civil case, and that the civil side of the case take a backseat, and they, rightfully so, wanted to control the case, and how it would be tried, and what would be tried, and how it would be dealt with in the press and elsewhere. And so there were totally different things going on, with that kind of decisions that I made in the first case, I wasn’t making in the second case. The district attorney was. How this case would play out was the district’s attorney’s choice in the second case, while in the first case I had total control of how it would play out.“, https://vindicatemj.wordpress.com/2010/11/01/transcript-of-frozen-in-time-a-riveting-behind-the-scenes-view-of-the-michael-jackson-cases-part-2/ und auf YouTube unter https://youtu.be/2ZFKp_VgU30?t=4014
  3. Feldman, Larry R., Liner Law Firm – Biography, abgerufen 2017.06.06., „Larry R. Feldman […]focuses on civil litigation, with primary emphasis in high-stakes entertainment, business, insurance, legal malpractice, real estate and personal injury tort litigation. […].His diverse experience is best exemplified by the fact that he represented a 13-year-old boy who accused Michael Jackson of child molestation, as well as defending major entertainment and political personalities accused of wrongful conduct. …“, ;
  4. Chandler, Raymond, ALL THAT GLITTERS – The Crime and the Cover Up,  2004.08.02., „By the conclusion of the meeting, June and Dave, like Evan before them, had no doubts about switching from Gloria Allred to Larry Feldman. The choice came down to either waging an all-out media campaign to pressure the DA to seek a Grand Jury indictment, or conducting subtle, behind-the-scenes negotiations toward a quick, quiet and highly profitable settlement. Avoiding the trauma that a lengthy criminal or civil lawsuit would bring to the entire family, especially Jordie, was a no-brainer.“, Chanadon Publications Limited; Edited by Gail M. Kearns, GMK Editorial & Writing Services, Santa Barbara, California, Seite 21
  5. Feldman, Larry, Transcript of “Frozen in Time: A Riveting Behind-the-Scenes View of the Michael Jackson Cases”, Part 2. LARRY FELDMAN, David Edwards/Niederschrift. 2010.09.15., abgerufen 2017.03.05., Vindicate Michael „Now, for a trial lawyer, these are real issues that you have to deal with, I mean this isn’t some “Just forget it! We’re gonna have our day in court!” This is something that you’re confronted with because, no matter what the jurors say, those jurors have read about it, they’re deluged about it, we had our case on a fast track to get tried, it was gonna get tried while all this was in the press. And so, it’s a real factor that a lawyer has to consider […] you had Elizabeth Taylor on television talking about how innocent Michael Jackson was, and what a shame it was. You had Michael Jackson cancelling a worldwide tour, this is the King of Pop, and he is cancelling a worldwide tour, I think it was the Dangerous Tour at the time, because he was so upset about what this little boy was doing. And so fragile […] So we had to figure out how to deal with this. And ultimately, we figured that we would do this in a way in which we litigated the case extremely hard. […] Every time we did depositions, if one of the employees, and we took a lot of depositions in the case of people who had knowledge about Michael at Neverland, and his relationship with this young boy, the minute the lawyers would try to stop him from answering a question, we would be filing documents about that, and what the question was, and why it was relevant, and where it was leading to, and the press would run with it and love it and there would be declarations.“, https://vindicatemj.wordpress.com/2010/11/01/transcript-of-frozen-in-time-a-riveting-behind-the-scenes-view-of-the-michael-jackson-cases-part-2/
  6. Feldman, Larry, Transcript of “Frozen in Time: A Riveting Behind-the-Scenes View of the Michael Jackson Cases”, Part 2. LARRY FELDMAN, David Edwards/Niederschrift. 2010.09.15., abgerufen 2017.03.05., Vindicate Michael „[…] we would embark on a strategy that allowed us to say everything that we needed to say in court documents which are public records generally […] the press would run with it and love it and there would be declarations.“, https://vindicatemj.wordpress.com/2010/11/01/transcript-of-frozen-in-time-a-riveting-behind-the-scenes-view-of-the-michael-jackson-cases-part-2/ 
  7. Chandler, Raymond, ALL THAT GLITTERS – The Crime and the Cover Up, 2004.08.02., Larry Feldman: “And we’re gonna tie Mr. Fields right up in all of this, starting-by attaching the declaration he filed to take Jordie away from you, so the world will see this little creep. […] Evan Chandler: ‚What’s the end purpose of doing that?“ Feldman:““To influence the public. The public perception of you and your children is important no matter what money there is.“ Chandler: „For our safety.“ Feldman: „Right, that’s one thing. And ultimately to pressure Jackson to finish this sucker. We have to show he can’t survive this; that he has to get on another tack.“, Chanadon Publications Limited; Edited by Gail M. Kearns, GMK Editorial & Writing Services, Santa Barbara, California, Seite 249
  8. Chandler, Raymond, All That Glitters – The Crime and the Cover Up, 02.08.2004, „Right. Listen to this, Evan. Maureen Orth is writing this big Vanity Fair article.“ And when she went out to see Fields he said, we’re going to litigate this case hard and heavy, we’ve got nothing to hide. Now he wants a six-year stay! She’s fuckin‘ gonna see this and flip … and Diane Dimond too, you know, who’s really your closest ally. „„So, we need to decide if I’m going to do a couple of sophisticated interviews: ‚Mr. Chandler isn’t afraid to testify, he hasn’t hidden, he’s willing to tell all, why aren’t they willing?“ „I’d love to get up there myself!“ „I know!“, Chanadon Publications Limited, Seite 249

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nächster Artikel
Diane Dimond ist seit 1993 selbst ernannte „Enthüllungsjournalistin“, die seit Jahrzehnten in Sachen Jackson erzählt, was selbst ernannte „Sources“ ihr buchstäblich verkaufen. Dimond, Diane, The Feds Jackson Whitewash, 2009.12.28., 2017.03.05., …